Georg Pruscha - Lesung und Aktion

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In meinen öffentlichen Lesungen will ich bewegen und abgestumpfte, peinliche Langeweile verhindern. Training und Selbstkritik sind das Werkzeug. Performance und Aktionismus dürfen unbedingt Teil einer Literaturlesung sein.

Ich führe meine Texte auf und führe mich dabei auf. Jeder Ort ist mir Bühne, ein Bühnenbild ist rasch gebaut. Der Text steht auf einem Zettel oder im Kopf.

Ich lebe und schreibe in Wien, der Aktionismus ist hier nichts neues, die informierte Welt kennt Wien dafür. Man darf die Aktion jederzeit bemühen, um aufzutreten, aufzuzeigen und warum auch nicht einfach nur um zu unterhalten. Aktionismus bedeutet Handlung, und ein wenig davon darf schon sein. Sie können das auch Performance nennen, es ist egal.

Viele Lesungen sind unerträglich schlecht, weil die Autoren nicht lesen können. Oder weil sie ihren seit Jahren währenden eingebildeten Tod auf der Bühne trocken, einsam und unkünstlerisch weiterinszenieren müssen, ohne zu bedenken, daß es auch einen Text und ein Publikum gibt.

Hier aber haben Sie die Möglichkeit zu schimpfen, und es wird gehört. Sie können zum Schaffenden gehen und über sein Machwerk reden. Stellen Sie sich das vor! Sie können ohne großen Aufwand handelnder Teil der Literatur werden. Die meisten Lesungen erleben ein entmündigtes Publikum, das keine Fragen stellt, sich nichts getraut. Bedenken Sie: Mit dem Ende des Textlesens, dieses Kraftakts, fängt für den wollenden Autor zumeist der wirklich wichtige Teil an, die Auseinandersetzung mit dem Publikum, und diese Erwartung wird in den meisten Fällen nicht erfüllt. Wenn Sie Angst vor bösen oder intellektuell bewaffneten Antworten haben, bedenken Sie, daß die auf der Bühne ebensolche Angst vor solchen Fragen haben. Alle haben sie Angst.

Haben Sie keine Skrupel. Diese Autoren, die sich verstecken und doch auftreten wollen – für die sind wohl Verlage zuständig.
Und haben Sie nochmals keine Skrupel. Wenn das Buhrufen an sogenannten Staatstheatern und Opern möglich ist, warum nicht auch auf winzigen Bühnen.

Wenn Sie ein Text ärgert oder langweilt, werfen Sie den Zettel weg! Wenn sie ein Buch ärgert, werfen sie es in den Ofen!

Bedenken Sie: Die Bedeutung des Augenblicks entscheiden einzig Sie und Ihre Einschätzung. Wenn Sie wütend sind – wunderbar! Wenn Sie ergriffen sind – warum nicht von einer verwackelten Bühne neben wenigen anderen im Publikum? Aber reden Sie um Himmels willen darüber (nachdem Sie zu Ende gelesen haben lassen), denn so bringen Sie Literatur in Bewegung und Umlauf, das ist ein Vertrieb ohne Buch und Maschinerie.
Bedenken Sie: Ohne ein mündiges Lesepublikum ist eine freie Literatur nur wenig wert. Nicht das Produkt Buch ist über alles zu stellen, sondern die Beziehung Leser - Autor.