Georg Pruscha - Ausbeutung und Ethik

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Grundlage für ein in Schrift verlegtes Buch ist der Text. Der Autor des Textes wendet von allen an der Herstellung eines Buches beteiligten Kräften eindeutig die längste Zeit auf. Der Ertrag am verlegten Ergebnis, dem Buch, ist für den Autor am geringsten.

Für einfachste Berufe werden Mindestlöhne festgelegt, um die unethischen Bedingungen der Ausbeutung zu vermeiden. Der Autor, von dem die Verbreitung einer Ethik erhofft wird, wird zynisch lächelnd ausgebeutet, sein Hungerdasein gilt als Teil der Kunst.

Ein verlegter Text ermöglicht viele Arbeitsplätze. Überspitzt ausgedrückt ist ein Autor, dessen Arbeit traditionell verlegt wird jemand, der für eine Hundertschaft an Menschen Arbeitsplätze ermöglicht, indem er jahrelang und oft ein Leben lang zu minimalem oder keinem Lohn unter Selbstaufgabe arbeitet. Dabei strebt er im besten Fall nach einem Äußersten im Sprachlichen, in den Gedanken, in der Sicht auf seine Welt in der allgemeinen Welt und tut damit einen Dienst der Bereicherung oder zumindest Erweiterung an der allgemeinen Sprache, der allgemeinen Denkweise, dem allgemeinen Empfinden der Welt.
Anerkannt wird das für gewöhnlich nicht, von Dank nicht zu sprechen. Die Gesellschaft akzeptiert und nennt die Tätigkeit des Autors gerne Beruf, akzeptiert aber auch Bedingungen, die sie – in Löhnen gerechnet – den  Ärmsten der Welt nicht zumuten würde; heimlich gibt sie es beizeiten zu, mit der Frage an Autoren, ob sie denn von ihrem Beruf leben können.