Georg Pruscha - Andere Wege – das Überwinden des Gewohnten

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Neue Wege in der Gesellschaft streben im allgemeinen zu Verbesserung und Erleichterung.
Hinderlich sind zumeist die Verlustangst der Vertreter des Alten (Produzent) und die Unbereitschaft der Verweigerer von Neuem (Konsument).

Damit neue Wege als wichtig empfunden werden ist es notwendig, daß sie allgemein anerkannt sind. Wenn Bücher in ihrer derzeitigen Massenform und Überbewertung zumindest als nur teilbedeutend erkannt werden, wird ein meinungsunabhängiges Publikum auch zu anderem streben: Lesung, elektronische Texte, Theater (bestenfalls abseits der angestammten Bühnen), experimenteller Vortrag, etc.
Das gerne bediente Argument der Greifbarkeit oder Haptik, ohne die man nicht lesen wolle, ist eine Unbereitschaft, sich von Hergebrachtem zu lösen. Diese Unbereitschaft ist als Ausdruck persönlicher Haltung ohne Einschränkung zu respektieren, als leidenschaftliches Argument gegen allgemeine Weiterentwicklungen ist sie entschieden abzulehnen.

Beispiele Musik:

Die Bedeutung der teuren, starren Tonträger schwindet. Unabhängig Musik für ein Publikum zu erzeugen wird leichter. Jeder darf somit öffentlich Musiker sein, die Musikstile vervielfältigen sich, die Hörer (Konsumenten) haben die freiere, leichter zugängliche Wahl. Wie zu erwarten, besitzen sie die Entscheidungsfähigkeit, was ihnen gefällt, was ihnen nach gewissen Kriterien gut scheint, was sie hebt. Das Konzert, die lebende Musik, tritt in den Vordergrund. Die Sammler dürfen als Minderheit weiterbestehen.

Auch das Buch ist ein Träger, ein Sammelobjekt. Doch ein Sammler ist nicht vorrangig Leser.

Nebstbei: Das Kartell der sogenannten Musikindustrie und ihrem Vieh, dem Künstlersklaven, ist bekannt. Ähnlich dem Autor und seinem Verlagsbuch, war der Profitanteil für die Musiker am Tonträger verhältnismäßig lächerlich. Wenigen aufwendig hochstilisierten Stars steht der Normalfall des erbärmlichen Schicksals gegenüber.

Neue Medien sollen nicht unbedingt bisherige verdrängen, aber ihre Bedeutung mit dem Argument alter Gewohnheiten abzulehnen, ist rückschrittlich – im Bereich Literatur überdies von Menschen, die durch Lesen womöglich weiterschreiten wollten.